Das Modell der Nieskyer Holzkirche
Die aus Holz gebaute Kirche in Niesky ist das Gotteshaus der Katholischen Gemeinde St. Josef in Niesky. Sie wurde 1935 von der Firma Christoph & Unmack am Rand der Holzhaussiedlung Neu-Ödernitz errichtet. Der Breslauer Architekt Kurt Langer fertigte den Entwurf und das weltweit agierende Holzbauunternehmen bot die Kirche als Serienprodukt in den eigenen Katalogen an. Im Rahmen von Stadtführungen und individuellen Besuchen gehört die Holzkirche zu den beliebtesten touristischen Ausflugszielen in Niesky.
Anlässlich ihres 90. Jubiläums ließ die Stadt Niesky mit Unterstützung der katholischen Gemeinde St. Josef im Jahr 2025 ein Skelettmodell im Maßstab 1 : 10 von dem Görlitzer Zimmermann und Denkmalpfleger Roland Vörös anfertigen.
Eine der Besonderheiten der Holzkirche sind ihre Binderkonstruktionen. Das Kirchenschiff wird getragen durch seinerzeit sehr moderne Brettschicht- bzw. Leimholzbinder nach dem System Christoph & Unmack, das eine Weiterentwicklung des so genannten Systems Hetzer darstellt. Otto Hetzer (1846–1911) legte im Weimar die Grundlagen für den modernen Holzleimbau. Unter anderen entwickelte er nach der Jahrhundertwende einen gebogenen Brettbinder aus dünnen Lagen Holz, verklebt mit Kaseinleim. Die Hetzer-Binder hatten in der Regel einen Ober- und einen Untergurt und damit einen H-förmigen Querschnitt.
Das in Niesky ansässige Holzbau-Industrieunternehmen Christoph & Unmack gehörte zu den Lizenznehmern und Herstellern von Hetzer-Bindern. Nachdem jedoch Hetzers Sohn, Otto jun. (1876–1937) als Leitender Ingenieur und Direktor der Abteilung Hallenbau 1919 zu Christoph & Unmack nach Niesky kam, entwickelte er die Erfindung seines Vaters weiter.
Der Leimholz-Brettbinder in der Kirche St. Josef in Niesky konnte durch verbesserte Fertigungsmethoden bereits auf Ober- und Untergurt verzichten, geblieben war die gebogene Form der Brettlagen in einer beindruckenden Spannweite. Inzwischen kamen auch die neu entwickelten Kunstharzklebstoffe zum Einsatz und ersetzen, den aus Molkereiprodukten gewonnenen Kaseinleim.
Der Chorraum der Kirche wird überwölbt durch eine Reihe von Nagelbindern, die durch wechselnd gegeneinander genagelte Brettsegmente eine gebogene Form ergeben. Die äußere Hülle der Kirche besteht hingegen in einer einfachen verschalten Stiel-Riegel-Konstruktion, die von den genannten Bindern getragen wird.
Das 1 : 10-Modell der Kirche wurde als Skelett belassen und nicht verkleidet, um die Konstruktionsweise des Holzgebäudes erlebbar zu machen. Für die Anfertigung der Leimbinder musste der Modellbauer jedoch eine Reihe von Versuchen und Recherchen durchführen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, denn die Modellbinder deuten das Leimholz nicht nur an, sondern bestehen wie das Original tatsächlich auch aus verleimten dünnen Lagen Holz.
Aufgrund seiner immer noch beachtlichen Abmessungen von 2 x 2 x 1 Meter ist das Modell derzeit im Foyer des Bürgerhauses in Niesky ausgestellt, wo es insbesondere die im dortigen Hotel einquartierten Gäste der Stadt empfängt. Perspektivisch soll ein witterungsgeschützter Aufstellungsort nahe der Kirche gefunden werden.
Wir danken allen beteiligten Projektpartnern, insbesondere aber dem Modellbauer Roland Vörös, für die Herstellung des Modells. Es soll fortan vor allem für museumspädagogische Zwecke, Ausstellungen und Führungen eingesetzt werden. Erstmalig war es auf dem Holzhausfest in Niesky am 15. Juni 2025 zu sehen.





